EU-Vogelschutzgebiet "Ostfriesische Meere"

Das Europäische Vogelschutzgebiet "Ostfriesische Meere" wurde bereits 1983 als Besonderes Schutzgebiet (BSG) gemäß Art. 4 EU-Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) gemeldet. Es erstreckt sich unmittelbar nördlich des Ems-Jade-Kanals zwischen Emden und Aurich bis in die Nähe der Bundesstraße B 210. Das seit Juni 2001 ausgewiesene Gebiet (Kennziffer DE 2509-401) umfasst darüber hinaus eine kleinere Teilfläche beiderseits des Abelitz-Moordorf-Kanals nördlich von Bundesstraße und paralleler Bahntrasse und ist insgesamt 5.922 ha groß. Die Siedlungsbereiche sind aus dem Vogelschutzgebiet ausgenommen.

Es handelt sich um ein großflächiges Niederungsgebiet im Naturraum Emsmarschen und Ostfriesische Geest mit überwiegend entwässertem Marschengrünland und eingeschlossenen Binnenseen. Diese so genannten Meere zeichnen sich durch geringe Wassertiefe sowie ausgedehnte Sumpf- und Verlandungsbereiche mit Schilfröhricht aus. Landseitig schließen sich Feuchtgrünlandflächen an, die teilweise unter NN liegen und durch Schöpfwerke entwässert werden. Überwiegend werden sie intensiv bewirtschaftet, höher gelegene Flächen werden auch als Acker genutzt.

Von besonderer Bedeutung ist dieser Vogellebensraum als Brutgebiet für Wiesenvögel und Arten ausgedehnter Röhrichte. Darüber hinaus ist das Gebiet für die Rast von nordischen Gänsen und Limikolen wichtig. Es ist vernetzt mit anderen Feuchtgrünlandgebieten und Gastvogellebensräumen in Ostfriesland, insbesondere mit dem Fehntjer Tief, der Emsmarsch, dem binnendeichs gelegenen Küstenstreifen und dem Wattenmeer.

Wertbestimmend zur Auswahl des Gebietes nach Art. 4 (Abs. 1 und 2) der Vogelschutzrichtlinie waren die folgenden Vogelarten:

Brutvögel Gastvögel
Bekassine Blessgans
Feldlerche Goldregenpfeifer
Kiebitz Graugans
Kornweihe Kiebitz
Löffelente Nonnengans
Rohrweihe
Schilfrohrsänger
Sumpfohreule
Uferschnepfe
Weißsterniges Blaukehlchen
Weißstorch
Wiesenweihe

Daneben kommen auch die folgenden Arten der Vogelschutzrichtlinie regelmäßig vor: Tüpfelsumpfhuhn, Flussseeschwalbe, Haubentaucher, Höckerschwan, Brandgans, Schnatter-, Krick-, Stock-, Knäck- und Reiherente, Wasserralle, Austernfischer, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Uferschwalbe, Braunkehlchen, Steinschmätzer, Rohrschwirl und Saatkrähe.

Erhaltungsziele

Die Erhaltungsziele für die Arten und Lebensräume des Vogelschutzgebietes sind auf die wertbestimmenden Arten und ihre Verletzlichkeit ausgerichtet:

  • Erhalt des offenen Grünlandes und Förderung extensiver Grünlandbewirtschaftung
    Obwohl der überwiegende Teil des Gebietes als Grünland genutzt wird, findet in geringem Umfang bei Flächen zum Geestrand auch Umbruch zur Ackernutzung statt. Bei der Grünlandnutzung ist die Intensität von entscheidender Bedeutung, besonders die starke Vorverlegung des Mähzeitpunktes bildet für Brutvögel ein hohes Gefährdungspotential. Besonderes Augenmerk ist bei der Umsetzung dieses Erhaltungszieles auf die Auricher und Barsteder Meeden und den Bereich zwischen Ems-Jade-Kanal und Großem Meer zu richten. Für die Rastvögel ist die Offenheit der Landschaft von besonderer Bedeutung, wobei Grünlandflächen bevorzugt werden.
  • Förderung der Extensivierung der Grabenunterhaltung im Grünland
    Ziel ist insbesondere die Förderung von Röhrichtstrukturen, die dem Blaukehlchen und dem Schilfrohrsänger dienlich sind. Gedacht ist dabei an wechselseitige, halbseitige oder abschnittsweise Räumung sowie zeitliche Streckung der Räumungsintervalle. Eine weitere Maßnahme ist die Anlage von Gewässeraufweitungen, die nicht der Unterhaltung unterliegen.
  • Wiederherstellen möglichst naturnaher Wasserstände (verbesserte Wasserrückhaltung, Winterüberflutung)
    Ziel ist es, die Lebensbedingungen der Röhrichtbrüter zu sichern und der schleichenden Verschlechterung des Lebensraumes für Offenlandbrüter und Nahrungsgäste entgegen zu wirken. In diesem Sinne wird die Erhaltung der offenen Wasserflächen der Meere, die Reduzierung der Sedimentation und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Röhrichte sowie der Stocherfähigkeit und des Nahrungsangebots der Grünlandflächen angestrebt. Dies soll mit einer winterlichen Anhebung des Wasserstandes im Großen Meer und der Schaffung von winterlichen Überflutungsflächen im Bereich Siersmeer und Herrenmeeder Meer erreicht werden.
  • Erhalt der ausgedehnten Röhricht- und Schilfzonen
    Am Großen, Kleinen und Loppersumer Meer sowie in den verlandeten Meeren gibt es ausgedehnte Röhrichtgürtel und -flächen, die jedoch aufgrund der anthropogen gesteuerten, niedrigen Wasserstände in einem schlechten Zustand sind. Durch höhere Winterwasserstände sollen vorhandene Wasserdefizite sowie Faulschlamm- und Rohhumusbildungen in den Röhrichten gemindert werden, so dass eine enge Verknüpfung zum vorstehenden Erhaltungsziel "naturnahe Wasserstände" besteht.
  • Reduktion von Störungen wertbestimmender Arten, z. B. durch Freizeit- und Erholungsnutzung oder Jagd
    Empfindliche Wasservogelarten sind in erster Linie von Störungen durch Wassersportler, Angler und Fischer betroffen. Freizeitnutzungen an Land, wie Wandern und Radfahren, scheinen hingegen kein Störpotential zu bilden, solange sie sich auf die vorhandenen Wege beschränken. Die Jagd dagegen ist als wesentlicher Störreiz einzustufen, der nur noch von Hubschrauberflügen übertroffen wird. Die Jagd führt offenbar auch zur Einhaltung größerer Fluchtdistanzen gegenüber Straßen und Wegen, darum wird eine Reduzierung der Jagdnutzung angestrebt.
  • Verzicht auf Errichtung baulicher Anlagen mit Störwirkung
    Neue Straßen und Wege führen zu zusätzlichen Meidungskorridoren, deren Breite wesentlich auch von der Verkehrsdichte abhängt. Insbesondere in Brut- aber auch Rastschwerpunktbereichen können sie daher problematisch sein. Für Rastvögel können außerdem Windkraftanlagen und Hochspannungstrassen besonders störend sein, da bei schlechtem Wetter (Nebel, dichter Regen) ein erhöhtes Kollisionsrisiko besteht.

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