Problem Verlandung und Degeneration der Röhrichte

Die Absenkung der Wasserstände am Großen Meer, insbesondere die niedrigen Winterwasserstände, die seltenen und zeitlich verkürzten Winterhochwasser sowie die fehlende Überschwemmung der Niederungen begünstigen das Vordringen der Röhrichte ins Große Meer und dadurch seine Verlandung. Gleichzeitig sind die höher gelegenen, landseitigen Röhrichte aber auch von einer Veränderungen der Standortbedingungen betroffen, die zu Kümmerwuchs und Strukturveränderungen führt. Die landseitigen Röhrichte degenerieren.

Da Schilf bis zu einer maximalen Wassertiefe von 2 m wachsen kann, könnte die gesamte Seefläche des Großen Meeres von Röhrichten besiedelt werden. Tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass beim Großen Meer aber auch bei der Hieve und dem Loppersumer Meer ein Vorrücken der Uferlinie zu beobachten und die offene Wasserfläche kleiner geworden ist. Allerdings verläuft das Vorrücken des Schilfs nicht kontinuierlich, sondern Phasen ohne Vorwärtsbewegung oder sogar des Zurückweichens wechseln mit Phasen des Vorrückens ab. Gleichzeitig sind am Großen Meer landseitig Röhrichte verloren gegangen, weil die Flächen inzwischen beispielsweise als Grünland genutzt werden.

Die heute vorhandenen Röhrichte sind in vielen Bereichen von Kümmerwuchs, Strukturveränderungen und Veränderungen der Artenzusammensetzung betroffen:

  • In den landseitigen Röhrichten hat die fehlende Streuausschwemmung zur Bildung von Rohhumus geführt, der die Entwicklung von Schilf hemmt.
  • In den tiefer liegenden, wasserseitigen, aber durch einen Wall aus Treibsel vom Meer abgetrennten Bereichen ist es aufgrund mangelnder Durchströmung mit sauerstoffreichem Wasser zur Faulschlammbildung gekommen.
  • Außerdem zeigen die von den Überflutungen abgeschnittenen Röhrichte Anzeichen von Nährstoffmangel.

Die Artenzusammensetzung der Röhrichte hat sich aufgrund dieser Beeinträchtigungen ihrer Vitalität in vielen Bereichen deutlich verändert. Auch die Wuchshöhe, die Halmdichte und Bruchfestigkeit des Schilfs haben sich verändert. Vor allem landseitig verdrängen Arten wie Sumpfreitgras und Ufersegge das Schilf, auf dem Treibselwall breiten sich teilweise Brennnesseln aus. Stellenweise ist es so trocken, dass sich auch Gehölze ansiedeln. Diese Entwicklung wird durch die niedrigen Wasserstände zu Beginn der Vegetationsperiode begünstigt. Diese Veränderungen der Röhrichtstruktur wirken sich auch auf die Tierartenzusammensetzung aus, vor allem verschiedene Vogelarten sind bereits verschwunden. Insbesondere das Verschwinden der Rohrdommel und des Drosselrohrsängers wird u. a. auf die Trockenheit der Röhrichte zurückgeführt.

Schilfröhrichte haben, wie andere Feuchtbiotope auch, die Fähigkeit, Nährstoffbelastungen des Wassers zu vermindern. Beteiligt daran sind nicht nur die Schilfpflanzen sondern auch Mikroorganismen, die auf den Halmen und am Boden wachsen. Um diese Funktion erfüllten zu können, müssen die Röhrichte jedoch vital und gut mit dem nährstoffreichen Wasser versorgt sein. Aufgrund ihrer geringen Durchströmung können sie ihre Funktion als natürliche "Kläranlage" für das Seewasser nur noch eingeschränkt wahrnehmen, die Selbstreinigungsleistung des Großen Meeres ist entsprechend geschwächt.

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