Ein neues Wassermanagement für das Große Meer

Warum ist das notwendig?

Weil das gegenwärtige Wassermanagement mit der geringen Wasserstandsdynamik und den niedrigen Wasserständen - insbesondere im Winter - als eine der wesentlichen Ursachen für die ökologischen Probleme des Großen Meeres identifiziert wurde.

Was soll erreicht werden?

  • die Wiederherstellung einer natürlicheren Wasserstandsdynamik,
  • eine Verbesserung der Wasserversorgung der Röhrichte,
  • eine Verbesserung des Austrags von abgestorbenen Pflanzenteilen,
  • eine Verminderung der Verbuschung der Röhrichte,
  • eine Verbesserung der Selbstreinigung und damit der Wasserqualität des Großen Meeres,
  • eine flexiblere Nutzung der Hochwasserspeicherfunktion des Großen Meeres und
  • eine Verringerung des Energie- und Kostenaufwandes für das Schöpfwerk an der Knock durch Einsparung von Pumpenstunden.

Was ist dazu erforderlich?

Die aktuelle Planung des NLWKN Aurich sieht die folgenden Maßnahmen vor:

  • Es werden insgesamt vier Stauanlagen in den Zu- und Abflüssen des Großen Meeres gebaut: An der Verbindung zum Marscher Tief im Nordwesten, an der Mündung des Knockster Tiefs (hier Nörderriede genannt), an der Mündung des Heikeschloots und an der Mündung der Westerender Ehe [siehe Maßnahmenkarte].
  • Das Marscher Tief wird im Bereich der Süderriede vollständig vom Großen Meer abgetrennt, so dass es hier keine direkte Verbindung mehr gibt.
  • Die randlich vorhandenen Geländekanten und Verwallungen werden vervollständigt, so dass sie eine Mindesthöhe von NN - 0,70 m erreichen.
  • Teil der Verwallung ist der Leitdamm zwischen Wiegboldsburer Riede und Großem Meer. Sein meerseitiges Ufer wird in drei Abschnitten, ohne vorgelagerten Schilfgürtel durch eine Böschungsfußsicherung verstärkt und langfristig gesichert.
  • Alle Flächen innerhalb der randlichen Kante bzw. Verwallung werden, sofern sie es nicht schon sind, im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens in öffentliches Eigentum überführt.
  • Eine kleinere Fläche östlich außerhalb dieser Verwallung, die gegenwärtig noch in das Große Meer entwässert, wird an das angrenzende Unterschöpfwerksgebiet angeschlossen [mehr dazu].
  • Eine zusätzliche Slipanlage wird vor allem dem Berufsfischer auch bei geschlossenen Stauanlagen den Zugang zum Südteil des Großen Meeres ermöglichen.
  • Drei zusätzliche Fernpegel verbessern die Übersicht über die Wasserstände im Gebiet und ermöglichen es, den günstigsten Zeitpunkt für das Rückhalten der Hochwasserwelle im Großen Meer abzupassen.
  • Zusätzliche Gewässeruntersuchungen im Einzugsgebiet des Großen Meeres sollen die Basis für eine gezielte Steuerung der Stauanlagen liefern.

Warum "aktuelle Planung"?

Alle Maßnahmen des Projektes 'Meer erleben - Mehr verstehen' werden am Runden Tisch und in den Arbeitskreisen immer wieder überprüft und weiterentwickelt. Neue Erkenntnisse und Entwicklungen werden in die Überlegungen einbezogen und die Planung so immer weiter optimiert. Das gilt auch für die Maßnahmen des neuen Wassermanagements, die in den vergangenen Jahren mehrfach angepasst wurden.

Was passiert beim neuen Wassermanagement?

  • Die meiste Zeit des Jahres sind die Stauanlagen geöffnet und können von Booten, Wasser, Fischen und anderen Organismen ungehindert passiert werden.
  • Aber bei winterlichen Hochwasserereignissen werden die neuen Stauanlagen geschlossen. Dann wird das Wasser für einige Tage (maximal zwei Wochen) im Meer bzw. innerhalb der randlichen Verwallung zurückgehalten. Maximale Stauhöhe ist dabei NN - 1,10 m.
  • Gleichzeitig werden die umliegenden Flächen wie gewohnt durch den Betrieb der Pumpen an der Knock entwässert. Das geht aber etwas schneller als bisher, da das Hochwasser im Großen Meer nicht gepumpt werden muss.
  • Nach einigen Tagen, wenn die Röhrichte gut durchnässt und das Hochwasser im Gebiet zurückgegangen ist, werden die Stauwehre wieder geöffnet, so dass sie wieder uneingeschränkt passierbar sind.
  • Nun fließt das Hochwasser auch aus dem Großen Meer in die Hauptvorfluter ab, die es schadlos zur Knock abführen. Es erreicht dabei in den Gewässern maximal den Stand des vorhergehenden Hochwassers bzw. den des maximalen Rückhaltezieles von NN -1,10 m.
  • An der Knock kann das Wasser aus dem Großen Meer gesielt werden, d.h. es läuft durch die Sieltore ab, so dass dafür keine Energie verbraucht wird und keine Pumpkosten entstehen.

Wer steuert die Stauanlagen?

Der I. Entwässerungsverband Emden ist Projektträger und er entscheidet unter Berücksichtigung der Betriebsregeln ob und wann die Stauanlagen bei einem Hochwasser geschlossen werden. Die Anlagen werden vom Verbandsgebäude bzw. vom Mündungsbauwerk an der Knock ferngesteuert. Kontrolllampen zeigen dort den Zustand der Stauanlagen an. Insgesamt vier Fernpegel geben einen Überblick über die Wasserstände im Gebiet.

Gibt es Alternativen?

Im Sanierungsgutachten wurden mehrere alternative Möglichkeiten untersucht, zu einer naturnäheren Wasserstandsdynamik mit höheren Wasserständen zu kommen. Sie reichen von einer Anhebung des Wasserstandes im gesamten Verbandsgebiet, über eine aktive Erhöhung des Wasserstandes im abgetrennten Meer mit Hilfe von Pumpwerken bis hin zu einer Wasserstandsanhebung nur im Südteil des Großen Meeres. Zwar kann mit einigen der untersuchten Varianten eine höhere oder längere Überstauung der Röhrichte erreicht werden, dafür haben sie gegenüber den geplanten Maßnahmen für das neue Wassermanagement andere Nachteile, zum Beispiel hinsichtlich der Bau- und Betriebskosten, des Speichervolumens des Großen Meeres und der Hochwassersicherheit sowie der Trennwirkung auf Gewässerorganismen und der Beeinträchtigung anderer Nutzungen.

Stand der Umsetzung

Mit der Umsetzung der Maßnahmen wurde 2009 begonnen und sie sollen 2012 abgeschlossen werden:

  • Drei Stauanlagen sind bereits fertig gestellt, der Bau der vierten ist vorbereitet.
  • Die vierte Stauanlage wird in der zweiten Jahreshälfte 2012 gebaut.
  • Dann erfolgt auch die vollständige Abtrennung des Marscher Tiefs und alle übrigen Maßnahmen zur Vervollständigung der Verwallung werden abgeschlossen.
  • Mit der Verstärkung des Leitdammes wurde bereits begonnen, auch sie wird in der zweiten Jahreshälfte 2012 fertig gestellt.

nach oben         zurück