FFH-Gebiet "Großes Meer, Loppersumer Meer"

Das 891 ha große Gebiet liegt zwischen Emden und Aurich, nördlich des Ems-Jade-Kanals und südlich der Bundesstraße B 210. Es wurde mit der Kennziffer DE 2509-331 vorgeschlagen als Gebiet, das als Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) nach der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) in Frage kommt. Bestandteil des Gebietsvorschlages sind das Große Meer mit umgebenden Flächen sowie das westlich davon gelegene Loppersumer Meer mit einem Verbindungskorridor entlang der Süderriede, die südlich des Großen Meeres gelegenen verlandeten Meere Siersmeer und Herrenmeeder Meer und das nördlich liegende verlandete Burhaver Meer mit einem Verbindungskorridor zum Großen Meer entlang des Marscher Tiefs.

Das Große Meer und das Loppersumer Meer sind zwei Seen der Moormarsch mit ausgedehnten Flachwasserbereichen, breiten Verlandungszonen mit artenreichen Röhrichten, Seggenrieden, Weidengebüschen und Resten von Erlenbruch. Hinzu kommen Feucht- und Intensivgrünland, Gräben und Kanäle mit z. T. artenreicher Wasserpflanzenvegetation. Beim Burhaver Meer handelt es sich um Restflächen eines verlandeten Sees mit teilweise hervorragend ausgeprägten Niedermoorgesellschaften, großenteils schwingmoorartiges, tiefgründiges Niedermoor. Hinzu kommen drei kleine Gewässer und die das Gebiet durchziehenden Kanäle.

Während das Loppersumer Meer weitgehend ungenutzt ist, ist beim Großen Meer eine Zweiteilung festzustellen. Der als Naturschutzgebiet gesicherte südliche Teil des Großen Meeres ist ebenfalls kaum genutzt, der nördliche Teil dagegen wird touristisch genutzt, insbesondere für den Wassersport (Surfen, Segeln, Baden). Die stärkste Konzentration der Erholungs- und Freizeitnutzung befindet sich in der nordöstlichen Ecke des Großen Meeres, dieser Bereich ist aus dem FFH-Gebiet ausgenommen.

Die Bedeutung des Gebietes ergibt sich aus der Tatsache, dass das Große Meer der größte natürliche (Flachwasser-)See im Bereich Emsmarschen/Ostfriesische Geest ist. Außerdem weisen die Meere breite, gut ausgeprägte Verlandungssümpfe auf, u. a. auch Schwingrasenmoor. In randlichen Feuchtgrünlandflächen ist außerdem die Schlitzdistel-Pfeifengras-Wiese ausgebildet. Es handelt sich um einen Kernbereich des Vogelschutzgebietes sowie um einen bedeutenden Jagdlebensraum der Teichfledermaus.

Lebensräume

Vier Lebensraumtypen (nach Anhang I) der FFH-Richtlinie kommen vor:

Lebensraumtyp nach FFH-Richtlinie Vorkommen
natürliche nährstoffreiche Seen mit Laichkraut oder Froschbiss-Vegetation [Kennziffer 3150]

Südteil des Großen Meeres mit Flachwasserbereich und angrenzendem bis zu 200 m breiten Röhricht- und Verlandungszonen, durch Röhrichtinseln vom genutzten Nordteil abgeschirmt

Loppersumer Meer, Flachsee mit randlichen, bis zu 250 m breiten Verlandungsröhrichten, auf der Ostseite auch mit Weidengebüschen

Gräben um die Meere mit Vorkommen von Krebsscheren und verschiedenen großblättrigen Laichkräuter sowie Tausendblattarten

Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden [Kennziffer 6410] Schlitzdistel-Pfeifengraswiesen am West- und Südufer des Großen Meeres
feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe [Kennziffer 6430]

sehr kleinflächige Mädesüß-Hochstaudenfluren in Verlandungszonen und an Gräben

kleines Vorkommen von Baldrian-Mädesüß-Hochstaudenflur auf einer Insel im Süden des Großen Meeres

Übergangs- und Schwingrasenmoore [Kennziffer 7140] hervorragend ausgeprägtes, mäßig nährstoffreiches Schwingmoor aus Schnabelseggen-Ried und Kleinseggen-Sümpfen im Südteil des Burhaver Meeres; neben den bestandsbildenden Arten Vorkommen von u. a. Schilf, Sumpf-Blutauge, Straußblütigem Gilbweiderich, Wiesen-Segge, Grau-Segge, Schmalblättrigem Wollgras und Wasserschierling; fließende Übergänge zu nährstoffreicheren Ausbildungen des Biotoptyps Niedermoor/Sumpf

Außerdem sind die folgenden Lebensraumtypen von landesweiter Bedeutung ausgeprägt:

Lebensraumtyp von landesweiter Bedeutung Vorkommen
Niedermoor/Sumpf

Sumpfreitgras- bzw. Uferseggen-Riede, überwiegend von schütteren Schilf-Röhrichten überstanden und mit Vorkommen von Gewöhnlichem und Straußblütigem Gilbweiderich, Sumpfdotterblume, Bittersüßem Nachtschatten, Sumpf-Schwertlilie, Sumpf-Helmkraut, Sumpf-Haarstrang, Wasser-Minze, Sumpf-Blutauge und Sumpf-Kratzdistel im Südwesten, Schilf-Röhricht mit Übergängen zu Sumpfreitgras- und Uferseggen-Ried im Nordosten und extensiv beweidetes Uferseggen-Ried im Südosten des Burhaver Meeres

als Schilf-Röhrichte und Seggenriede ausgeprägte Flächen oberhalb der Wasserlinie von Großem Meer und Loppersumer Meer

Feuchtgebüsche Stellenweise Grauweiden-Gebüsche mit einzelnen Schwarzerlen innerhalb der Schilfröhrichte im Nordosten des Burhaver Meeres sowie weitere kleinflächige Weidengebüsche in Verlandungssümpfen von Großem Meere und Loppersumer Meer, teilweise mit Übergängen zu Erlen-Weiden-Bruchwaldbeständen
Feuchtgrünland

Feuchtweide mit u. a. Flatter-Binse, Wiesen-Schaumkraut, Gewöhnlichem Ruchgras, Knick-Fuchsschwanz, Flutendem Schwaden und Flammendem Hahnenfuß auf leicht ansteigendem Gelände im Nordwesten und nasse Mähwiese mit viel Rohr-Glanzgras und Wasser-Schwaden im Nordosten des Burhaver Meeres

sowie mehr oder weniger feuchte, artenarme Mähwiesen und Weiden mit avifaunistischer Bedeutung im Süden und Südwesten des Großen Meeres

Nährstoffarmes Stillgewässer im Südwesten des Burhaver Meeres eine Restwasserfläche im Schilf-Röhricht mit Fluss-Ampfer und Sumpf-Schwertlilie auf kleinen Schlamminseln und der kleinen Wasserlinse im moorigen Wasser, im Nordosten verlandeter und verschlammter Teich mit Flatterbinsen-Ried und Hundsstraußgras-Grauseggen-Sumpf am Ufer sowie Wasserfeder und Froschlöffel im klaren Wasser, im Nordosten ebenfalls verschlammter Teich mit Schwingrasen aus Sumpf-Reitgras, Grau-Segge, Straußblütigem Gilbweiderich, Sumpf-Blutauge, Fluss-Ampfer und Kammfarn sowie Grauweiden und schmalblättrige Weiden an den Ufern

Pflanzen- und Tierarten

Als Arten der FFH-Richtlinie (Anhang II) kommen Teichfledermaus und das Froschkraut vor. Als weitere bedeutende Tier- und Pflanzenarten treten Grüne Mosaikjungfer (wurde zuletzt 1985 nachgewiesen), Englische Kratzdistel, Sumpf-Läusekraut, Strand-Dreizack, Kammfarn, Spitzblättriges Laichkraut, Zungen-Hahnenfuß, Breitblättriges Knabenkraut, Tannenwedel und Fieberklee auf.

Erhaltungsziele

Das allgemeine Erhaltungsziel ergibt sich aus § 34a NNatG in Verbindung mit § 10 BNatSchG. Es besteht in der Erhaltung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes für die aufgeführten Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten der FFH-Richtlinie (Anhang I und II). Als spezifische Ziele für das Gebiet werden insbesondere der Schutz und die Entwicklung von naturnahen, eutrophen Marschrandseen mit artenreicher Wasser- und Verlandungsvegetation sowie von extensiv genutzten Feuchtgrünlandbereichen mit Schlitzdistel-Pfeifengraswiesen genannt.

Eine besondere Verletzlichkeit besteht entsprechend gegenüber der Entwässerung von Grünlandflächen und ihrer Artenverarmung durch Intensivierung der Nutzung, z. T. aber auch durch Nutzungsaufgabe oder Umwandlung in Acker. Freizeitaktivitäten wie Wochenendhäuser, Windsurfing, Sportbootverkehr und Angeln sind eine weitere wesentlich Quelle möglicher Beeinträchtigungen.

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