Lückenschluss an der Hieve

Vorher ...

  • konnte man von Süden kommend auf dem Dreeskeweg bis in das Naturschutzgebiet nördlich des Heikeschloots und östlich des Marscher Tiefs gelangen.
  • konnte man von Norden kommend über den Hieveweg und den weiterführenden Weg des Wassersportvereins Emden (WVE) bis zu den Wochenendhäusern nördlich der Hieve kommen.
  • fehlte aber eine Verbindung zwischen den Wegen südlich und nördlich der Hieve - es gab hier also eine Lücke im Wegenetz.

Seit Ende April 2009 ...

  • ist diese Lücke zumindest im Sommerhalbjahr geschlossen.
  • führt nördlich des Heikeschloots ein Rad-Wander-Weg vom Dreeskeweg bis an das Marscher Tief und weiter entlang des Tiefs nach Norden.
  • ermöglicht eine Pünte (Selbstkurbelfähre) nördlich der Wochenendhäuser (auch Meerbuden genannt) die Querung des Marscher Tiefs für Radfahrer, Fußgänger und Rollstuhlfahrer, allerdings nur in der Zeit vom 15. April bis zum 15. Oktober eines Jahres, jeweils zwischen 8.00 Uhr und 20.00 Uhr.
  • führt westlich des Marscher Tiefs ein weiterer Rad-Wander-Weg von der Pünten-Anlegestelle zum vereinseigenen Weg, über den man zum Hieveweg gelangt.

Dafür waren folgende Maßnahmen erforderlich:

  • der Neubau von insgesamt rund 340 m Radwegen mit 1,6 m Breite, einer wassergebundenen Schotterdecke und festen Seitenstreifen (Banketten),
  • der Bau der Pünte und die Herstellung von zwei Anlegebuchten am Marscher Tief mit entsprechender Uferbefestigung,
  • die Querung zweier Gräben östlich des Marscher Tiefs mittels einfacher Holzbrücken auf Betonsockeln, die aber ausreichend groß und tragfähig für Unterhaltungsfahrzeuge der Gemeinde sein müssen,
  • die zweimalige Querung des kleinen Grabens an den beiden letzten Meerbuden mittels einer entsprechenden Verrohrung für den Anschluss des neuen Radweges an den vereinseigenen Weg (diese Variante wurde auf Wunsch der Anwohner statt der ursprünglich geplanten Verlegung des Grabens realisiert),
  • die Errichtung bzw. das Versetzen von Weidezäunen, um Wege und Pünten-Anlegestellen von den landwirtschaftlichen Flächen abzutrennen.

Die Radwege und die Anlegestellen für die Pünten wurden im Herbst/Winter 2008 gebaut. Ende April 2009 war auch die Pünte fertig gestellt und konnte in Betrieb genommen werden.

Der Radwegebau wurde durch eine Zuwendung des Landes Niedersachsen zur Förderung der Flurbereinigung nach der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur integrierten ländlichen Entwicklung (ZILE) gefördert.

Die Pünte einschließlich der Anlegebuchten wurde mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) nach der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung des Natur erlebens sowie der nachhaltigen Entwicklung in Modellregionen insbesondere im Zusammenhang mit Natura 2000 gebaut.

Alternativen und Varianten oder der lange Weg zu einer einvernehmlichen Planung

Zwar waren sich alle Beteiligten schnell einig, dass es an der Hieve einen Lückenschluss im Wegenetz geben soll - aber dazu, wie der aussehen könnte, gab es unterschiedliche Ideen. Daher wurden verschiedene Alternativen und Varianten entwickelt und geprüft.

Die Hieve war bisher nicht durch öffentliche Straßen und Wege erschlossen und konnte von Besuchern nur per Boot "erfahren" werden. Daher war ein Weg westlich um die Hieve herum eine grundsätzliche Alternative zur nunmehr realisierten Planung. Diese Idee wurde jedoch verworfen. Sie hätte zu einer Störung und Beeinträchtigung von bisher weitgehend ungestörten und für Brut- und Rastvögel wichtigen Flächen südlich und westlich der Hieve geführt. Entsprechend war sie mit den Projektzielen nicht vereinbar.

Bei der Abstimmung einer Trasse für den Lückenschluss zwischen dem Großen Meer und der Hieve zeigten sich die unterschiedlichen Interessen und Ziele der Beteiligten:

  • eine Wegeführung außerhalb des Naturschutz- und FFH-Gebietes und mit möglichst geringer Beeinträchtigung von Natur und Landschaft,
  • eine Wegeführung in größerem Abstand zu den Wochenendhäusern mit entsprechend geringer Störwirkung,
  • keine Gefährdung und eine möglichst geringe Beeinträchtigung der Wassersportler auf dem Marscher Tief, dem Heikeschloot und der Hieve durch die Püntenquerung,
  • eine möglichst kurze Wegeverbindung, um die Flächeninanspruchnahme und die Kosten so gering wie möglich zu halten.

Die wesentlichen Varianten der Wegeführung sind in der nebenstehenden Karte dargestellt. Sie wurden am Runden Tisch, im Arbeitskreis und mit Betroffenen entwickelt und diskutiert. Nach einem langwierigen Abstimmungsprozess gelang es schließlich, bei einem Treffen aller relevanten Interessensvertreter und unter Einbeziehung des gesamten Wegebaukonzeptes für die Region eine einvernehmlich Variante (rot dargestellt) abzustimmen. Diese Variante wurde dann auch umgesetzt.

Maßnahmen zur Minimierung von Beeinträchtigungen

Schon in der Abstimmungsphase wurden die verschiedenen Varianten vergleichend untersucht. Hinsichtlich der Auswirkungen auf Natur und Landschaft bzw. auf die verschiedenen Schutzgebiete ist die abgestimmte und inzwischen realisierte Wegeführung nicht die optimale aber eine sehr gute Lösung. Zwar verläuft sie teilweise innerhalb des Naturschutz- und FFH-Gebietes, aber am äußersten Rand der Gebiete und in einem Bereich, der bereits durch Störungen vorbelastet ist, die vom Bootsverkehr und den Wochenendhäusern ausgehen. Die Flächen, die für die Anlagen in Anspruch genommen wurden, hatten überwiegend einen geringen bis mittleren Wert für Pflanzen und Tiere und waren teilweise durch aktuelle oder ehemalige Nutzungen wie Fahrspuren oder Trampelpfade vorbelastet. Berücksichtigt man auch die übrigen Nutzungsinteressen, wurde mit der einvernehmlich abgestimmten Wegeführung ein guter Kompromiss erreicht.

Um Störungen der Rastvögel des EU- Vogelschutzgebietes zu vermeiden, wird der Betrieb der Pünte auf die Zeit vom 15. April bis zum 15. Oktober eines Jahres beschränkt. Im Winterhalbjahr, wenn die Vögel im Gebiet rasten, wird sie stillgelegt. Potentielle Nutzer der Pünte werden durch entsprechende Hinweisschilder an der Ecke Woldenweg/Dreeskeweg bzw. am Beginn des Hievewegs so rechtzeitig auf die Betriebszeiten der Pünte hingewiesen, dass sie gleich auf das vorhandene Wegenetz ausweichen können.

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