Das Große Meer hat sich verändert

Einige wesentliche Merkmale des Großen Sees haben sich im Laufe der Zeit, insbesondere der letzten ca. 50 Jahre, stark verändert:


früher heute
nährstoffarmer bis mäßig nährstoffreicher Klarwassersee sehr bis extrem nährstoffreiches Seewasser, das durch Algen und Schlamm (Treibmudde) trüb ist
mit Armleuchteralgen am Grund, Nadelsimsen-Uferrasen am Ostufer und Schilfröhricht am Westufer keine Armleuchteralgen und Nadelsimsen-Uferrasen und auch keine anderen Unterwasserpflanzen mehr, breite Verlandungsröhrichte auch am Ostufer

ausgeprägte eigene Seendynamik, die das Meer über mehrere Jahrhunderte vor der Verlandung bewahrte:

  • starke Wasserstandsschwankungen,
  • insbesondere hohe winterliche Wasserstände,
  • und winterliche Überschwemmung der Niederung,

diese führten bei den häufig damit verbundenen starken Westwinden zu Wellenschlag und Uferabbrüchen im Osten, während von Westen in einer breiten Verlandungszone die Röhrichte vordrangen und das Meer so nach Osten 'wanderte'

erheblich verminderte Seendynamik:

  • Wasserspiegel gegenüber 1850 um ca. 0,75 m abgesenkt,
  • weniger starke und zeitlich verkürzte Wasserstandsschwankungen,
  • angestrebter Wasserstand im Winter mit NN -1,40 m niedriger als der im Sommer mit NN -1,27 m,
  • Vermeidung winterlicher Überschwemmungen der Niederung

Diese Veränderungen wurden überwiegend durch menschliche Nutzungen beeinflusst und verursacht. Zum einen wurden die Jahrhunderte langen Bemühungen um eine Entwässerung des Verbandsgebietes des I. Entwässerungsverbandes Emden, zu dem das Große Meer gehört, immer erfolgreicher und durch den Bau der Siel- und Schöpfwerke an der Knock und in Greetsiel sowie durch den Ausbau der Hauptvorfluter gelang es immer besser die angestrebten Sommer- und Winterwasserstände einzuhalten. Und zum anderen ermöglichte die verbesserte Entwässerung eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung.


Probleme und Ursachen

Die Probleme des Großen Meeres und der angrenzenden Gewässer wurden in einem im Jahr 2000 vorgelegten Sanierungsgutachten untersucht und bewertet. Sie lassen sich unter vier Stichworten zusammenfassen:

Verschlammung

  • Von Schlammablagerungen betroffen sind vorwiegend die Randkanäle und strömungsarme, windgeschützte Bereiche des Großen Meeres.
  • Die Schlammablagerungen behindern aufgrund der verringerten Wassertiefe den Wassersport und aufgrund verringerter Abflussquerschnitte die Entwässerungsfunktion der Vorfluter.
  • Überwiegend ist der Grund des Großen Meeres aber frei von Schlammablagerungen weil der Schlamm als so genannte Treibmudde im Wasser schwebt.
  • Die fehlende Unterwasservegetation begünstigt die Erosion des Meergrundes.
  • Es wird kein Schlamm mehr durch Überschwemmung der Niederungen ausgetragen.

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Verlandung

  • Die Verlandung eines Flachsees ist ein natürlicher Prozess, der aber am Großen Meer durch menschlichen Einfluss erheblich beschleunigt wurde.
  • Schilfröhrichte begünstigen die Verlandung. Sie wachsen von Land in den See hinein und verstärken die Ablagerung von Sedimenten durch Verringerung der Strömung, so dass der Seeboden allmählich aufgehöht wird.
  • Die Wasserfläche des Großen Meeres hat sich auf diese Weise von ca. 480 ha im 19. Jahrhundert auf jetzt ca. 350 ha verringert. Langfristig kann es so zum Verlust der offenen Wasserfläche und zur vollständigen Verlandung kommen.
  • In den letzten Jahren sind vor allem verschiedene Buchten zugewachsen, die eine hohe Bedeutung als Laichplatz für Fische und Lebensraum für Wasservögel hatten.
  • Das vertikale und das horizontale Wachstum der Röhrichte wird durch die Absenkung des Wasserstandes und die fehlende Seendynamik begünstigt.
  • Die Durchströmung der Röhrichte wird zusätzlich durch einen Treibselwall behindert, der sich am seeseitigen Rand der Röhrichte gebildet hat.
  • Die niedrige Wasserstände und der fehlende Treibselaustrag führen zu einer Veränderung der Röhrichtstruktur und Artenzusammensetzung. Typische Arten werden verdrängt, stellenweise wachsen bereits Gehölze (Verbuschung).
  • Die Verlandung des Großen Meeres ist weder mit den Interessen des Naturschutzes, der Wasserwirtschaft und der Fischerei noch mit denen des Tourismus und des Wassersports vereinbar.

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Eutrophierung - hohe Nährstoffgehalte im Wasser

  • Das ehemals nährstoffarme große Meer ist heute übermäßig nährstoffreich. In der Folge kommt es regelmäßig zur Massenentwicklung von Grün- und Blaualgen (Algenblüten), die das Wasser trüben.
  • Auch die Zuflüsse Wiegboldsburer Riede und Westerender Ehe sind "kritisch belastet" (Gewässergüteklasse II-III), sie weisen insbesondere sehr hohe Phosphat-Konzentrationen auf.
  • In den ostfriesischen Meeren werden in den Sommermonaten pflanzenverfügbare Stickstoffverbindungen zum wachstumsbegrenzenden Faktor. Dann kommt es zur Massenentwicklung von Blaualgen, die den Luftsauerstoff nutzen können.
  • Algenblüten mindern die Badewasserqualität. In Extremfällen könnte es zu Badeverboten kommen, z. B. wenn Blaualgen toxische oder allergene Stoffe ausscheiden.
  • Die hohen Nährstoffgehalte des Wassers verändern nicht nur die Menge der produzierten Biomasse sondern auch die Nahrungsketten und die Artenzusammensetzung im Gewässer. So werden untergetauchte Wasserpflanzen durch Algen verdrängt und die Zusammensetzung der Fischfauna ändert sich.
  • Entsprechend beeinträchtigt der hohe Nährstoffgehalt mit seinen Auswirkungen auf die Wasserqualität sowohl die Fischerei und den Tourismus als auch die Ziele des Naturschutzes am Großen Meer.
  • Die Nährstoffe werden vor allem von den landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie aus häuslichen Abwässern und aus der Oberflächenentwässerung in die Gewässern eingetragen.

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Verlust von Arten und Lebensräumen

  • Zahlreiche ehemals typische Arten sind stark zurückgegangen oder völlig verschwunden.
  • Verantwortlich dafür sind insbesondere die Veränderungen des Wasserhaushalts und die Eutrophierung aber auch die verstärkte Nutzung hat dazu beigetragen. Dabei spielen für die einzelnen Arten unterschiedliche Faktoren eine Rolle, häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
  • Vom Artenrückgang sind sowohl die Wasservegetation (untergetauchte Wasserpflanzen, Schwimmblattvegetation) als auch die im Wasser lebenden Tierarten betroffen.
  • Wasservögel, Röhrichtbrüter und Wiesenvögel sind ebenfalls betroffen.
  • Der Verlust oder Rückgang von Arten und Lebensräumen ist nicht nur ein Problem des Naturschutzes. Die Verarmung der Landschaft schränkt auch ihre Bedeutung für das Wohnumfeld und die Erholungsnutzung ein.

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Fazit:

Die Probleme des Großen Meeres sind also im Wesentlichen auf zwei Ursachen zurückzuführen:

  • auf die niedrigen Wasserstände, insbesondere im Winter, und die geringe Wasserstanddynamik
  • und auf die hohe Belastung der Gewässer mit Nährstoffen.

Von den Problemen des Großen Meeres ist nicht nur der Naturschutzbetroffen. Sie haben auch negative Auswirkungen auf verschiedene Nutzungen.

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