Ein Entwicklungskonzept für die Region Großes Meer

Warum braucht die Region ein Entwicklungskonzept?

Das Große Meer ist ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen mit einer reizvollen Landschaft. Aber es gibt auch ökologische und ökonomische Probleme. Das Großes Meer leidet unter hohen Nährstoffgehalten des Wassers (Eutrophierung), Verlandung und Verbuschung der Röhrichte, Verschlammung vor allem der Randkanäle und dem Verschwinden von früher typischen Arten. Der Tourismus hat Einbußen zu verzeichnen, obwohl ländliche Regionen in den letzten Jahren im Allgemeinen eher von positiven Trends profitiert haben. Da die Region Großes Meer eine Kulturlandschaft ist, gibt es vielfältige Wechselwirkungen zwischen der Natur und den verschiedenen Nutzungen. Sie beeinflussen sich gegenseitig und sind von einander abhängig.

Will man die anstehenden Probleme nachhaltig lösen, muss man diese Wechselbeziehungen berücksichtigen. Um die ökologischen Probleme des Großen Meeres zu beheben, ist daher ein Gesamtkonzept für die Entwicklung der Region erforderlich, das auch die ökonomische und soziale Entwicklung berücksichtigt und fördert. Und die anstehenden ökonomischen Probleme lassen sich nur dann beheben, wenn man die Wechselwirkungen zwischen den verschiedener Nutzungen und auch die Wechselwirkungen mit der Natur als Lebensgrundlage nicht vernachlässigt.

In einem Regionalentwicklungskonzept werden alle Nutzungs- und Schutzinteressen berücksichtigt und möglichst zum gegenseitigen Nutzen entwickelt und gefördert. In diesem Sinn werden mit den verschiedenen Maßnahmen des Konzeptes meist mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt, so dass sie positive Wirkungen für mehrere Interessen und Nutzungen haben. Nur so lassen sich die verschiedenen Maßnahmen zur Sanierung des Großen Meeres und zur Stärkung der Wirtschaft dauerhaft sichern und finanzieren. Vielfach ist ein regionales Entwicklungskonzept auch die Voraussetzung für die Bewilligung von Fördermitteln für die einzelnen Maßnahmen.

Natura 2000 - Chance und Herausforderung

Die Region Großes Meer hat als Natura-2000-Gebiet einem hohen Schutzstatus. Eine entscheidende - und nicht nur in dieser Region kontrovers diskutierte - Frage ist die nach der unter diesen Bedingungen noch zulässigen bzw. möglichen wirtschaftlichen Entwicklung. Oder anders ausgedrückt: Ist Naturschutz als erhebliche Einschränkung für die wirtschaftliche Entwicklung der Region Großes Meer anzusehen?

Sicher setzt der Schutzstatus der Entwicklung gewisse Grenzen, aber er eröffnet auch neue Chancen. Denn Natur und Landschaft sind auch die Ressourcen der Region, sie stellen ein Entwicklungspotential bereit, das es zu nutzen und dabei doch zu erhalten gilt.

In manchen Bereichen konkurrieren Naturschutz und wirtschaftliche Nutzungen mit einander oder stehen sogar in Widerspruch zu einander - in anderen haben sie aber durchaus auch gleichartige Interessen wie die nachfolgenden Beispiele zeigen:

  • Der Erhalt der Grünlandnutzung ist nicht nur im Interesse der Landwirte sondern auch für die Wiesenvögel notwendig. Aber hinsichtlich der Intensität der Nutzung gibt es unterschiedliche Anforderungen.
  • Ein gute Wasserqualität im Großen Meer ist nicht nur für den Naturschutz sondern auch für Fischerei und Tourismus wichtig, weil sie die Lebensbedingungen der Fische und die Badewasserqualität verbessert.

Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung stehen also durchaus nicht immer im Widerspruch zu einander, sie müssen aber - z. B. in einem Regionalentwicklungskonzept - auf einander abgestimmt werden. Natura 2000 bietet zu dem die Möglichkeit Fördermittel zu nutzen, die nur für diese Schutzgebiete zur Verfügung stehen.

"Nachhaltige" Entwicklung - was bedeutet das?

Das Regionalentwicklungskonzept 'Meere erleben - Meer verstehen' verfolgt das Ziel einer nachhaltigen, einer zukunftsfähigen Entwicklung, d. h.

  • Ökologische, ökonomische und soziale Belange sollen gleichermaßen entwickelt und gestärkt werden.
  • Dabei sollen die natürlichen Lebensgrundlagen bewahrt und für die nachfolgenden Generationen erhalten werden.
  • Die angestrebte Entwicklung soll den Ansprüchen von Mensch und Natur gleichermaßen gerecht werden, Naturschutz und menschliche Nutzungen sollen zum gegenseitigen Vorteil entwickelt werden.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist es, die verschiedenen zum Teil widersprüchlichen und konkurrierenden Interessen von Naturschutz, Wasser- und Landwirtschaft, Wohnen und Erholen mit einander in Einklang zu bringen. Dabei gilt folgender Leitsatz:

Es sollen nicht nur alle partizipieren sondern möglichst auch einen Vorteil aus dem Projekt ziehen (win-win-Prinzip), mindestens aber darf es keine "Verlierer" geben.

Wie entsteht so ein Regionalentwicklungskonzept?

Um eine Region zu entwickeln, bedarf es zunächst einer Analyse ihrer Stärken und Schwächen, Probleme und ihre Ursachen müssen ermittelt, Konflikte und Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Nutzungsinteressen müssen erkannt werden. Auf dieser Basis können dann Entwicklungsziele, ein Leidbild für die Zukunft der Region formuliert werden. Daraus lassen sich dann die Maßnahmen zur Erreichung des Zieles entwickeln. Und nicht zuletzt müssen auch Strategien zur Umsetzung und Finanzierung dieser Maßnahmen gefunden werden.

Am Großen Meer geschah und geschieht dies

  • durch intensive Diskussionen am Runden Tisch und in kleineren Arbeitskreisen sowie
  • durch ein landwirtschaftliches Fachgutachten des Landwirtschaftsamtes Ostfriesland (Aurich 2000),
  • ein wasserwirtschaftliches Fachgutachten des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasser- und Küstenschutz (NLWK Aurich 2000) und
  • ein Sanierungsgutachten für das Große Meer (regioplan, Aurich 2000), das mit Fördermitteln des EU-Programms Interreg II C finanziert wurde.

Die schließlich im Regionalentwicklungskonzept 'Meer erleben - Mehr verstehen'
(ARSU, Oldenburg 2002) mündeten, das jetzt in der Umsetzung ist.

Auch in der Umsetzungsphase ist 'Meer erleben - Mehr verstehen' ein dynamischer Prozess. Von der Idee und dem Konzept, über den konkreten Plan bis hin zu seiner Umsetzung ist es ein oft langer und steiniger Weg. Die Maßnahmen müssen konkretisiert und die Umsetzungsstrategien an aktuelle Entwicklungen angepasst werden. Dazu sind immer wieder Gespräche, Abstimmungen und die kompromissbereite Zusammenarbeit aller Beteiligten und Betroffenen erforderlich.

Warum der Titel 'Meer erleben - Mehr verstehen'?

Der Titel ist Programm: Die Gemeinde Südbrookmerland möchte für ihre Bürger und Gäste ein Mehr an Naturerleben schaffen und ein Mehr an Verständnis für die Region, ihre Bedeutung, ihren Schutz und die geplanten Entwicklungsmaßnahmen schaffen.

Dies soll mit einer gezielten Erschließung der Natur für Rad- und Wasserwanderer aber auch mit gezielten Umweltbildungsmaßnahmen geschehen. Dem liegt der Gedanke zu Grunde, dass nur derjenige, der die Natur versteht, bereit und in der Lage ist, naturverträglich zu handeln.

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