Betrieb der Stauanlagen

Mit dem Betrieb der Stauanlagen werden sowohl ökologische wie auch wasserwirtschaftliche Ziele verfolgt. Einerseits dient die vorrübergehende Rückhaltung von natürlichen winterlichen Hochwässern dazu, die Röhrichte besser mit Wasser zu versorgen, um ihre Vitalität und ihre Gewässerreinigungsfunktion zu stärken. Andererseits ermöglichen die Stauanlagen auch eine flexiblere Nutzung der Hochwasserretentionsfunktion des Großen Meeres sowie eine energetisch und wirtschaftlich günstigere Abführung des Hochwassers.

Regeln für den Betrieb der Stauanlagen

Für den Betrieb der Stauanlagen gelten die nachfolgenden Regeln. Sie geben den Rahmen vor, innerhalb dessen der Entwässerungsverband, unter Berücksichtigung der verschiedenen Interessen, über den Einsatz der Stauanlagen entscheidet. Neben dem Hochwasserschutz und den ökologischen Zielen des neuen Wassermanagements, wird der Verband dabei auch die übrigen Belange, wie beispielsweise Fischerei, Reithschneiderei und Wassersport, beachten.

  1. Der I. Entwässerungsverband Emden steuert die Anlagen; er entscheidet über das Schließen und Öffnen der Stauklappen.
  2. Die Rückhalteperiode, also der Zeitraum, in dem Hochwässer durch vorübergehendes Schließen der Stauanlagen zeitweise im Großen Meer zurückgehalten werden, ist identisch mit dem Zeitraum für den Winterpeil (1. Oktober bis 30. April).
  3. Zur Abwehr von Hochwasserschäden hat der Hochwasserschutz Vorrang vor allen anderen Regelungen.
  4. Das maximale Rückhalteziel ist NN -1,10 m.
  5. Ein Rückhalteereignis wird auf maximal zwei Wochen beschränkt.
  6. Das Schließen und Öffnen der Stauanlagen sowie die voraussichtliche Dauer der Schließung ist der Öffentlichkeit durch geeignete Maßnahmen unverzüglich bekannt zu geben. Dazu hat der I. Entwässerungsverband Emden auf seiner Homepage im Internet jederzeit aktuelle Informationen vorzuhalten. Eine Verbindung zwischen der Homepage der Gemeinde Südbrookmerland und der Homepage des Entwässerungsverbandes sollte eingerichtet werden. Daneben sind durch Aushang beim Meerwarthaus am Großen Meer die Schließzeiten zeitnah bekannt zu machen.
  7. Lassen die Wettervorhersagen während eines Rückhalteereignisses Eisbildung am Großen Meer erwarten, ist gegebenenfalls rechtzeitig vorher durch Öffnen der Stauanlagen der Wasserstand wieder auf den Winterpegel von NN -1,40 m abzusenken.
  8. Bei einem Rückhalteereignis im März stimmt der Entwässerungsverband die Vorgehensweise mit dem Inhaber der Fischereirechte ab. Gegebenenfalls ist dabei zum Schutz der Fischbrut auch eine Verlängerung der Rückhaltezeit über die sonst maximale Zeit von zwei Wochen hinaus zulässig.
  9. Die Stege werden jeweils nur für Kontroll-, Wartungs- und Reparaturarbeiten über die Öffnungen der Stauanlagen gedreht.
  10. Der I. Entwässerungsverband Emden hat ein Betriebsbuch zu führen, in dem alle im Zusammenhang mit dem Betrieb der Stauanlagen relevanten Daten (wie beispielsweise Stauzeiten, Pegelstände, Wetterdaten) aufgezeichnet werden.
  11. Es wird ein begleitender Monitoring-Arbeitskreis gebildet, bestehend aus Vertretern des I. Entwässerungsverbandes Emden, der unteren Wasser- und der unteren Naturschutzbehörde, des Nds. Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), des Domänenamtes, des BVO als Inhaber der Fischereirechte, des LAVES (Nds. Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Abt. Binnenfischerei - Fischereikundlicher Dienst), der Gemeinde Südbrookmerland, der Landwirtschaft und der Bootssportler sowie gegebenenfalls anderer betroffener Träger öffentlicher Belange und Inhaber sonstiger Rechte. Während des laufenden Flurbereinigungsverfahrens nehmen auch Vertreter des LGLN Aurich - Amt für Landentwicklung - teil. Der I. Entwässerungsverband Emden lädt die Teilnehmer mindestens einmal im Jahr nach Abschluss der Rückhalteperiode, spätestens bis Ende Mai, zu einer Sitzung ein. Aufgabe des Arbeitskreises ist es, die Daten der Rückhalteereignisse auszuwerten und das neue Wassermanagement für das Große Meer nach hydrologischen und ökologischen Gesichtspunkten zu optimieren.

Am Ende eines Rückhalteereignisses entscheidet der I. Entwässerungsverband Emden nach hydrologischen und ökologischen Gesichtspunkten, ob alle oder zunächst nur gezielt einzelne Stauanlagen geöffnet werden und ob die Stauklappen sofort ganz oder langsam und sukzessive abgesenkt werden. Durch gezieltes Öffnen einzelner Stauanlagen kann die Räumkraft des Wassers genutzt werden, um Treibsel, Schlamm und Sedimente auszuschwemmen.

Was passiert, wenn ein Hochwasser höher als NN - 1,10 m ist?

Um die Hochwasserrückhaltefunktion des Großen Meeres voll auszuschöpfen, wird der Entwässerungsverband die Stauklappen grundsätzlich erst dann schließen, wenn der Hochwasserscheitel überschritten und die Pegelganglinie abfallend ist. Erreicht ein natürliches Hochwasser einen Höchststand, der oberhalb des maximalen Stauzieles von NN -1,10 m liegt, wird der Wasserstand im Großen Meer zusammen mit dem des übrigen Verbandsgebietes mindestens bis NN -1,10 m abgesenkt, bevor gegebenenfalls die Stauanlagen geschlossen werden.

Was ist, wenn es ein zweites Hochwasser gibt?

Lassen die Wettervorhersagen während eines Rückhalteereignisses ein zweites Hochwasser erwarten, wird der Entwässerungsverband bei Bedarf den Stauvorgang abbrechen und rechtzeitig vor dem nächsten Hochwasser wieder das Rückhaltevolumen des Großen Meeres bereitstellen.

Sollte ein zweites Hochwasser so unerwartet auftreten, dass das Rückhaltevolumen des Großen Meeres nicht rechtzeitig wieder bereitgestellt werden kann, kann es dennoch schadlos über die Mündungsbauwerke abgeführt werden - wie die hydraulischen Berechnungen des NLWKN Aurich gezeigt haben. Sollte dieses zweite Hochwasser höher als NN - 1,10 m auflaufen, kann das Speichervolumen des Großen Meeres oberhalb des maximalen Rückhaltezieles genutzt werden.

Was passiert, wenn eine Stauanlage defekt ist?

Wenn sich eine Stauklappe nicht schließen lässt, kann ein Hochwasser nicht im Großen Meer zurückgehalten werden. Das Große Meer ist dann - wie gegenwärtig auch - ein ungeregeltes Rückhaltebecken. Versagt eine Stauklappe während eines Rückhaltevorgangs, dann fließt das Wasser durch diese Stauanlage ab. Dabei verteilt es sich auf das verzweigte System von Vorflutern und verursacht auch einen leichten Rückstau in die Oberläufe. Auch für diesen Fall gilt: Das ablaufende Wasser überschreitet nicht den Stand des vorangegangenen Hochwassers bzw. den des maximalen Stauzieles von NN - 1,10 m, es kann also nicht über die Ufer der Vorfluter treten. Die Fließgeschwindigkeit in den Gewässern wird sich dabei nur geringfügig erhöhen, so dass keine Schäden an den Ufern entstehen.

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