Entschlammung der Kanäle und Tiefs

Die Verschlammung der Gewässer ist eines der Probleme in der Region Großes Meer. Von Schlammablagerungen betroffen ist jedoch weniger das Große Meer selbst, vielmehr sind es die Randkanäle und ihre Mündungsbereiche.

Mit einer Entschlammung der Kanäle und Tiefs in der Region Großes Meer werden gleichzeitig mehrere Ziele der Regionalentwicklung verfolgt:

  • Entnahme des nährstoffreichen Schlamms aus den Gewässern, also Reduzierung der entsprechenden Belastung und Verbesserung ihrer Wasserqualität sowie Lebensraumfunktion,
  • Wiederherstellung des Abflussquerschnitts der Gewässer und damit Gewährleistung eines zügigen Wasserabflusses zum Siel- und Schöpfwerk an der Knock, insbesondere für den Hochwasserfall,
  • Wiederherstellung einer ausreichenden Wassertiefe für die Nutzung mit Paddel-, Segel- sowie Motorbooten und dadurch Verbesserung der Infrastruktur für den Wassersport und letztlich Stärkung des Tourismus in der Region.

Entschlammung der Wiegboldsburer Riede - eine Aufgabe mit zwei Teilen

Die Wiegboldsburer Riede fließt von Nordosten aus Richtung Theene und Wiegboldsbur zum Großen Meer. Zwischen Wiegboldsbur und dem Großen Meer wird sie für den Freizeit-Bootsverkehr genutzt. So befinden sich in Wiegboldsbur an der Riede auch die Anlagen eines Bootssportvereins. Die Riede ist aber von einer starken Verschlammung betroffen, weil einer ihrer Hauptzuflüsse (der Herrenhüttener Zuggraben) regelmäßig größere Mengen Sedimente mitbringt. Daher wurde bereits 2003 beschlossen, die Entschlammung der Riede zwischen Wiegboldsbur und dem Großen Meer in zwei Abschnitten in Angriff zu nehmen:

Der 1. Teil, die Entschlammung des östlichen Abschnittes zwischen Wiegboldsbur und der Wochenendhaussiedlung ...

... konnte bereits zwischen März und November 2005 realisiert werden. Dabei sind pro laufendem Meter etwa 4 m³ und insgesamt rund 15.000 m³ Schlamm angefallen. Da in diesem Abschnitt überwiegend beiderseits des Gewässers landwirtschaftliche Flächen angrenzen, konnte der nasse Schlamm bei der Entnahme seitlich abgelagert und dann eingeebnet werden. Die Kosten für diese Maßnahme haben sich der I. Entwässerungsverband Emden und die Gemeinde Südbrookmerland geteilt.

Der 2. Teil, die Entschlammung des westlichen Abschnittes im Bereich der Wochenend- und Ferienhaussiedlung ...

... gestaltet sich ungleich schwieriger, weil eine seitliche Ablagerung des Schlamms auf den Grundstücken der Ferien- und Wochenendhäuser von den Eigentümern nicht gewünscht wird und der vorhandene Leitdamm für eine Ablagerung nicht genutzt werden kann. Der Schlamm ist nährstoffreich und mit Tributylzinn (TBT) belastet, einem Antifouling-Zusatz von Schiffsanstrichen. Daher muss er in jedem Fall so gelagert werden, dass er nicht in das Große Meer (oder ein anderes Gewässer) laufen kann. Seit 2005 wurden verschiedene Möglichkeiten für die Verbringung der voraussichtlich anfallenden Schlammmassen entwickelt, geprüft und letztlich verworfen. Die einzige verbliebene Möglichkeit ist, den Schlamm mit einem Saugbagger aufzunehmen und auf einem Spülfeld abzulagern. Eine teure Maßnahme, die erst dann umgesetzt werden wird, wenn es die Verringerung des Abflussquerschnitts erforderlich macht.

Entschlammung des Marscher Tiefs - eine Aufgabe mit Schlitz

Zwischen der Nörderriede und der Stauanlage 1 im Nordwesten des Großen Meeres hat sich im Marscher Tief viel Schlamm abgelagert. Dadurch hat sich der Querschnitt des Gewässers so weit verringert, dass er für den ordnungsgemäßen Wasserabfluss nicht mehr ausreicht bzw. verbesserungsbedürftig ist. Auch der Bootsverkehr wird durch die Ablagerungen behindert. Daher ist für den Herbst/Winter 2012 eine Entschlammung dieses Abschnittes vorgesehen.

Üblicherweise wird der Schlamm bei der Gewässerunterhaltung rechts und links ufernah abgelagert. Infolgedessen hat sich meerseitig des Tiefs ein größerer Erdwall gebildet, auf dem sich Gebüsche entwickeln und die Röhrichte verdrängen. Der Wall wird daher im Herbst 2012 für die Verstärkung des Leitdammes und die Abtrennung des Marscher Tiefs vom Großen Meer im Rahmen der Maßnahmen für das neue Wassermanagement teilweise abgetragen.

Danach werden die Flächen wieder für die Ablagerung des Schlamms genutzt. Dazu wird der Boden "geschlitzt", d. h. mit dem Bagger wird ein schmaler Graben ausgehoben und der Boden dabei seitlich gelagert. In den so entstandenen "Schlitz" wird dann der Schlamm aus dem Marscher Tief gebaggert. Auf diese Weise kann das nährstoffreiche Sediment nicht zurück ins Gewässer gelangen.

Noch nicht geklärt ist, ob in naher Zukunft weitere Abschnitte des Marscher Tiefs entschlammt werden müssen.

Entschlammung des Trecktiefs - eine Aufgabe für die weitere Zukunft

Ganz Ostfriesland entwickelt sich zu einer vernetzten Wasserwanderregion. In diesem Sinne soll auch die Verbindung zwischen den Gewässern der Region Großes Meer und dem Ems-Jade-Kanal verbessert werden. Im Regionalentwicklungskonzept sind dazu mehrere Maßnahmen vorgesehen, unter anderem die Einrichtung einer Haltestelle für die MS 'Aurich' und die Errichtung einer Teilstation der Paddel- und Pedalstation Großes Meer am Ems-Jade-Kanal bei Mittelhaus.

Da der Ems-Jade-Kanal nicht zum I. Entwässerungsverband Emden gehört und einen anderen Wasserstand hat, gibt es keine direkte Verbindung zwischen den Gewässern der Region und dem Kanal. Der kürzeste Wasserweg vom Großen Meer bis an den Ems-Jade-Kanal (bei Mittelhaus) wäre die Westerender Ehe, die jedoch durch das Naturschutzgebiet Großes Meer verläuft und daher für den Bootsverkehr gesperrt ist. Die alte Maar fließt südlich der Hieve durch ein wertvolles, wenig gestörtes Brut- und Rastgebiet für Vögel und soll darum nicht für den Wassersport erschlossen werden. Aus diesem Grund ist eine Anbindung an den Ems-Jade-Kanal über das Trecktief geplant.

Dem Trecktief kommt also für den Wassersport eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen dem Ems-Jade-Kanal und der Region Großes Meer zu. Es ist allerdings zurzeit so stark verschlammt, dass es für den Bootsverkehr nicht geeignet ist - auch nicht für Paddler. Zur Umsetzung der Wasserwanderkonzeption ist daher geplant, auch das Trecktief zu entschlammen und zusätzlich Möglichkeiten zu schaffen, Paddelboote vom Tief in den Kanal umzusetzen. Ein Zeitpunkt, wann diese Maßnahme realisiert werden soll, wurde jedoch noch nicht festgelegt.

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