Lückenschluss in der Bedekaspeler Marsch

Über das Marscher Tief statt über die Bundesstraße

Wollte man von Bedekaspeler Marsch nach Bedekaspel, dann konnte man das bis 2008 nur, indem man auf dem Marscher Weg bis an die Bundesstraße fuhr, dieser dann in nördliche Richtung folgte und schließlich über die Schöpfwerksstraße zurück ans Große Meer gelangte. War man mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs, dann musste man für diesen Weg zweimal die Bundesstraße queren - ohne Ampeln.

Statt dessen ist es seit Ende April 2009 zumindest im Sommerhalbjahr möglich, über einen neuen Radweg von Bedekaspeler Marsch an das Marscher Tief zu gelangen und dessen Verlauf in nördlicher Richtung bis in Höhe des Leitdammes zwischen Wiegboldsburer Riede und Großem Meer zu folgen. Dort wurde eine Pünte eingerichtet, mit deren Hilfe man über das Marscher Tief zum Weg auf dem Leitdamm gelangt, der zur Nordost-Ecke des Großen Meeres führt.

Im Einzelnen wurden dafür zunächst die folgenden Maßnahmen realisierte:

  • Im Anschluss an den vorhandenen Weg zur ehemaligen Kläranlage (der im Zuge der übrigen Wegebaumaßnahmen bereits teilweise ausgebaut wurde) wurde ein rund 845 m langer und 1,6 m breiter Radweg mit einer wassergebundenen Schotterdecke und festen Seitenstreifen (Banketten) gebaut.
  • Eine Pünte sowie Anlegebuchten mit Uferbefestigungen wurden am westlichen Ufer des Marscher Tiefs und am Ende des Leitdammes hergestellt.
  • Insgesamt wurden fünf Gräben gequert, mittels einfacher Holzbrücken auf Betonsockeln, die aber ausreichend groß und tragfähig sind für Rettungsfahrzeuge oder die Unterhaltungsfahrzeuge der Gemeinde.
  • Die Nordspitze der Röhrichtinsel zwischen Marscher Tief und Großem Meer wurde bis zur Wasserlinie teilweise sogar bis zur Gewässersohle abgetragen. Auf diese Weise wurde nicht nur die Püntenstrecke etwas verkürzt, sondern ergänzt durch weitere Maßnahmen (Beschilderung, Horn und Fahne für die Pünte) wurde die Verkehrssicherheit auf den Gewässern erhöht. Vor der neuen Uferlinie wurden hölzerne Abweiser errichtet.
  • Der gesamte Weg wurde zum Schutz des Weideviehs von den angrenzenden Grünland- und Röhrichtflächen durch viehkehrende Zäune getrennt.
  • Zusätzlich wurde am Anfang des Radweges ein Viehrost so in den Fahrweg eingelassen, dass es von Fußgängern (Radfahrer müssen absteigen) aber nicht von Rindern gequert werden kann.

Die Radwege und die Anlegestellen für die Pünten wurden im Herbst/Winter 2008 gebaut. Ende April 2009 war auch die Pünte fertig gestellt und konnte in Betrieb genommen werden.

Der Radwegebau wurde durch eine Zuwendung des Landes Niedersachsen zur Förderung der Flurbereinigung nach der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur integrierten ländlichen Entwicklung (ZILE) gefördert.

Die Pünte und die erforderlichen Anlegebuchten wurden mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) nach der Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung des Natur erlebens sowie der nachhaltigen Entwicklung in Modellregionen insbesondere im Zusammenhang mit Natura 2000 realisiert.

Eine Optimierung der Püntenquerung ...

wurde im Winter 2011/2012 durch eine Planungsänderung beim neuen Wassermanagement möglich. Ursprünglich sollte Stauanlage Nr. 1 in der vorhandenen Verbindung zwischen dem Großen Meer und dem Marscher Tief errichtet werden. Sie wurde jedoch etwas weiter südwestlich gebaut, dort wurde eine neue Gewässerverbindung hergestellt und dann die alte verschlossen.

Diese Planungsänderung machte es möglich und erforderlich, die Püntenquerung zu verlegen. Bisher musste das Marscher Tief und die Verbindung zum Großen Meer gequert werden (siehe Bild links). Jetzt ist die per Pünte zu überwindende Strecke erheblich kürzer (nur noch etwa 25 m statt vorher fast 75 m), da nur noch das Marscher Tief gequert werden muss (siehe Bild rechts). Auf diese Weise wurde die Funktionsfähigkeit der Pünte verbessert, die Querungs- und Wartezeiten wurden verkürzt. Der Verkehrsknotenpunkt an der Nordwest-Ecke des Großen Meeres wurde deutlich entzerrt und die Verkehrssicherheit auf den Gewässern erheblich verbessert.

zum LGLN

Musste es wirklich dieser Weg mit einer Pünte sein?

Eine ufernahe Verbindung zwischen Bedekaspeler Marsch und Bedekaspel wurde von allen Beteiligten gewünscht, aber über die Art der Verbindung und den genauen Verlauf des Weges gab es - entsprechend der unterschiedlichen Interessen - auch sehr unterschiedliche Vorstellungen. Insbesondere wurde mit möglichen Beeinträchtigungen der landwirtschaftlichen Nutzung bzw. von Natur und Landschaft argumentiert.

Bereits zu Beginn der Planung wurden die in der nebenstehenden Karte dargestellten Varianten vorgeschlagen und vergleichend untersucht. Als eine der beiden verträglichsten Varianten erwies sich die inzwischen realisiete Wegeführung an der ehemaligen Kläranlage vorbei (rot), die jedoch zunächst durch die Landwirtschaft abgelehnt wurde. Vor allem wurden Beeinträchtigungen der Weidetiere auf angrenzenden Flächen durch freilaufende Hunde befürchtete. Aber schließlich konnte eine Zustimmung doch erreicht werden, in dem durch ergänzende Maßnahmen (wie das viehkehrende Rost und ein System von Zäunen) sowohl die Gefahr vermindert wurde, dass Rinder in den Ort gelangen und dort Schäden anrichten, als auch die, dass freilaufende Hunde das Vieh jagen und verletzen.

Von Anfang an wurde von verschiedenen Anwohnern statt der sommerlichen Verbindung mit Pünte eine ganzjährige Verbindung mit Brücke gewünscht. Eine solche Brücke müsste entweder sehr hoch oder klappbar sein, um den Verkehr von Segelbooten auf dem Marscher Tief nicht einzuschränken. Beides würde erhebliche Kosten verursachen und die Landschaft stärker verändern als die inzwischen realisierte Püntenverbindung.

Maßnahmen zur Minimierung von Beeinträchtigungen

Schon zu Beginn der Planung wurden die verschiedenen Varianten vergleichend untersucht, insbesondere hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Brut- und Rastvögel des EU- Vogelschutzgebietes. Dabei erwiesen sich die Varianten an der Kläranlage vorbei (rot) und nördlich entlang der Nörderriede (hellgrün) als verträglichste Lösungen. Zwar verlaufen sie entlang des Marscher Tiefs und damit an der Grenze zum FFH-Gebiet, aber außerhalb des Gebietes und in einem durch den Bootsverkehr vorbelasteten Bereich.

Auch die Beeinträchtigung der geschützten Röhrichte entlang des Marscher Tiefs wird bei dieser Variante weitgehend vermieden, da der Radweg über flache, unregelmäßige Erdwälle entlang der Gewässer geführt wird.

Um Störungen der Rastvögel, die das Gebiet im Winter nutzen, zu vermeiden, wurde der Betrieb der Pünte auf die Zeit vom 15. April bis zum 15. Oktober eines Jahres beschränkt. Im Winterhalbjahr wird sie stillgelegt. Potentielle Nutzer der Pünte werden durch entsprechende Hinweisschilder an der Ecke Marscherweg/Kläranlagen-Zufahrt bzw. am Beginn des Weges auf dem Leitdamm so rechtzeitig auf die Betriebszeiten der Pünte hingewiesen, dass sie gleich auf das vorhandene Wegenetz ausweichen können.

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